Wir sind dran

Veröffentlicht am 15.02.2014 in Lokalpolitik

Laut vernehmlich rief Elke Saulewicz durch den Saal des Huberwirts in Eching: „Thomas!“ und nach kurzer Zeit nochmals „Thomaaas, wir sind dran!“. Elke Saulewicz ist Kandidatin der SPD Eching; sie möchte – wie 23 andere Kandidatinnen und Kandidaten – für die SPD Eching am 16. März in den Gemeinderat. Das Rufen nach ihrem Mann, der gleichzeitig ihr Partner bei der Vorstellungsrunde war, war Teil einer originellen Kandidatenvorstellung der Sozialdemokraten am vergangenen Freitag. Und die eingeladenen Bürgerinnen und Bürger hatten ihren Spaß dabei.
von Jürgen Schechler
15. Februar 2014

Als kurz nach 19 Uhr der Huberwirt-Saal voll war, begann Carsten Seiffert, der sich den Ortsvereinsvorsitz mit Dr. Jürgen Schechler teilt, die Veranstaltung mit einer Begrüßung und erklärte den Ablauf des Abends. Er, der selbst nicht für den Gemeinderat kandidiert, versprach bereits zu Beginn, dass der Abend sicherlich kurzweilig wird – obwohl es acht kommunalpolitische Programmziele und 24 Kandidaten vorzustellen gibt. Danach stellte der Landratskandidat für die SPD, Martin Bengler, drei seiner programmatischen Schwerpunkte für den Kreis Freising vor.

Das Programm „Echings Zukunft gestalten“, das nach eigenen Angaben alle relevanten kommunalpolitischen Bereiche abdeckt, wie es sich für eine Volkspartei gehört, und gleichzeitig anspruchsvolle Ziele setzt, ist nicht am Eigeninteresse orientiert. Dies hob die Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin Anette Martin als deutliches Abgrenzungsmerkmal zu allen anderen politischen Parteien und Gruppierungen in Eching hervor. Sie veranschaulichte den Programmpunkt „Bezahlbares Wohnen und preiswertes Bauland“, indem sie beschrieb, wie bei einer aktuellen Bebauungsplanung in Eching 500-Quadratmeter-große Grundstücke angeboten werden – was an den Bedürfnissen der Bürger sehr weit vorbei geht. Sie forderte, dass endlich wieder das echte (!) Echinger Modell angeboten werden muss. Darüber hinaus muss der soziale Wohnungsbau ausgebaut werden.

Die weiteren Programmpunkte – aktive Gemeindepolitik für Jung und Alt; realistische Verkehrsplanung tatkräftig umsetzen; aktive Haushaltspolitik und kompetente Wirtschaftsförderung; Naturräume weiterentwickeln, erneuerbare Energie; lebendige Ortskultur fördern; eigenes Entwicklungsprogramm für die Ortsteile; Transparenz statt Mauschelei in der Gemeindepolitik – wurden abwechselnd von einzelnen Kandidaten vorgestellt. Jürgen Schechler beispielsweise bemängelte, dass Eching als einzige Gemeinde im Umkreis keine Strategie für die Ansiedlung von bildungs- und forschungsnahen Unternehmen hat. Anstatt auf den Zufall zu hoffen oder auf international aufgestellte Konzerne zu bauen, die am Ende vielleicht gar keine Gewerbesteuer zahlen, weil sie Gewinne konzernpolitisch ausweisen können, sollte die Nähe von zwei Elite-Universitäten und einer Hochschule genutzt werden. Nur durch hochwertige Arbeitsplätze können Haushaltseinnahmen langfristig verbessert und die lokale Kaufkraft erhöht werden. Andernfalls fällt Eching noch weiter in der Nachbarschaft zurück.

Die Vorstellung der Kandidaten folgte danach in Zweier- und Dreier-Teams. Dabei ließen sich die Protagonisten die unterschiedlichsten Situationen einfallen, wie sie sich gegenseitig vorstellen können: Ob beim Müllaufsammeln auf dem Weg zu S-Bahn, beim Warten auf den Fotografen für die Wahlplakate oder beim abendlichen Kneipenbesuch, stets wurden die Besucher mit Informationen über die unterschiedlichen Persönlichkeiten, Kompetenzen, Engagements und kommunalpolitischen Schwerpunkte auf unterhaltsame Weise versorgt. Auch Thomas Müller-Saulewicz, der lautstark von seiner Ehefrau und Vorstellpartnerin gerufen wurde, kam zu Wort und erklärte, wie die beiden durch Carsten Seiffert motiviert wurden, ihr Engagement auch der Gemeindepolitik zur Verfügung zu stellen. Mitunter kam es bei den Vorstellungsrunden gar dazu, dass die Zuhörer einbezogen wurden. So war die Vorstellung für alle sehr kurzweilig.

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit der Möglichkeit für die Gäste, den Kandidaten Fragen zu stellen. Dabei kamen die unterschiedlichsten Missstände zur Sprache. Der gemeinsame Nenner der Themen war jedoch, dass viele Gäste ihren Unmut darüber äußerten, dass Emails, Anfragen und Bitten, die an die Gemeindeverwaltung oder direkt an den Bürgermeister gerichtet waren, oft ignoriert werden würden. Die SPD-Gemeinderäte ermunterten die Bürgerinnen und Bürger, solche Information zeitnah an die SPD-Fraktion zu geben. Am Ende waren sich die SPD-Kandidaten – nicht nur aufgrund der Stimmung an dem Abend – einig und sicher: Wir sind dran!

 
 

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