Von der Sozialen Marktwirtschaft zur Zerrissenen Demokratie

Veröffentlicht am 17.01.2012 in Arbeit & Wirtschaft

Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft. In Deutschland gab es sie. Wichtigste Merkmale waren freier Wettbewerb und die soziale Verpflichtung von Eigentum. Außerdem sollte der Staat sozialpolitische und arbeitsmarktpolitische Ziele dadurch verfolgen, dass er die Marktergebnisse korrigiert und auch in das Marktgeschehen eingreifen soll. Und heute?

von Dr. Jürgen Schechler
SPD Eching
18.1.2012

Lange Zeit gab es Konsens über diese Wirtschaftsordnung der alten Bundesrepublik. Das Sozialkapital in der zentraleuropäischen Volkswirtschaft stieg an. Deutschland profitierte von einer geringen Streikneigung, von einer Neigung der Wirtschaft, mehr zu exportieren als zu importieren. Die Demokratie erstarkte kontinuierlich. Lohnzurückhaltung und Solidaritätsabgaben sicherten auch nach der Wiedervereinigung die Wettbewerbsvorteile einer noch größeren Volkswirtschaft.

Und heute? Ohnmachtsgefühle, Ungerechtigkeitsempfinden und Krisen erschüttern die Republik. Trotz hohen Wirtschaftswachstumsraten leidet die Mehrzahl der Bürger. Sie leiden unter dem Schwund von Verstehen, unter Zukunftsangst und dem fehlen von vorbildhaftem Verhalten der ökonomischen und politischen Elite.

Wo aber bleiben die aufbegehrenden Stimmen, die der Sozialisation von Risiko, Kosten, Steuerlast einerseits und der Privatisierung von Risikominderung und blindem Marktgehorsamkeit Einhalt gebieten. Wie viel Ungleichheit muss geschehen? Wie viel Demokratie muss noch kranken, damit die Deutschen verstehen, dass sie nicht gegen Griechen, Portugiesen oder Iren ausgespielt werden dürfen. Was nutzt es der Mehrheit der Deutschen, wenn Griechenland oder der Euro “gerettet” werden – davon aber nur ein kleiner Teil der Deutschen profitiert. Jedem weiteren Euro Staatsverschuldung steht ein weiterer Euro an privatem Vermögen gegenüber.

Wohin führt diese Entwicklung sinkender Reallöhne in Verbindung der Aufforderung zum Sparen, Sparen und nochmals Sparen? Waren im Finanzkrisenjahr 2008 noch keynesianische Konjunkturprogramme sinnstiftend, soll nun die gegenteilige Therapie helfen? Die Gefahr einer Abwärtsspirale von Deflation, sinkender Binnennachfrage und zunehmender relativer Verschuldung ist realer denn je. Wem nutzt das? Weder der breiten Bevölkerung noch dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und dem Vertrauen in das politische System. Leider – wir lebten einmal in einer Sozialen Marktwirtschaft. Heute stehen wir vor vor der Zerrissenheit unserer demokratischen Errungenschaften.

 
 

Folge uns auf

           

Counter

Besucher:2586869
Heute:251
Online:2

Nachrichten über Eching hinaus

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

25.03.2026 17:51 Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm
67 Maßnahmen, sieben Ministerien, ein Klimaschutzprogramm Die aktuelle Weltlage mit Konflikten, die sich massiv auf unsere Energieversorgung auswirken, zeigt eindeutig: Wir müssen schnell unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Das heute von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgelegte Klimaschutzprogramm zeigt einen fairen Weg zur Erreichung der Klimaziele 2030 sowie für mehr Versorgungssicherheit auf. „Dieses Klimaschutzprogramm ist für die… Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm weiterlesen

25.03.2026 17:50 Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts
Ich begrüße die Impulse von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ausdrücklich. Deutschland steht an einem Wendepunkt. Wir brauchen ein neues Wirtschaftsmodell: eines, das konsequent auf Innovation setzt, technologische Führerschaft ermöglicht und zugleich dafür sorgt, dass Wohlstand in der Breite der Gesellschaft ankommt. „Innovation und Gerechtigkeit sind die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und breiten Wohlstand in Deutschland. Deshalb… Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts weiterlesen

11.02.2026 21:41 Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz
Barrierefreiheit nützt uns allen Die Bundesregierung treibt die Barrierefreiheit voran: Das Kabinett hat am Mittwoch eine Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes auf den Weg gebracht. SPD-Fraktionsvizin Dagmar Schmidt spricht von einem wichtigen Schritt. „Der Gesetzentwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes bedeutet einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft. Er stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderungen und… Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz weiterlesen

11.02.2026 21:39 Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus
Rekord im Tourismus – Strategie, gute Arbeit und verlässliche Politik zahlen sich aus Stefan Zierke, tourismuspolitischer Sprecher: Der Deutschlandtourismus erreicht mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Rekord. Klare Strategie, engagierte Beschäftigte und verlässliche Politik sorgen für Wachstum, stärken die Betriebe und sichern gute Arbeit – für einen wirtschaftlich starken, sozial gerechten und nachhaltigen Tourismus in allen… Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de