Rücktrittserklärung der 2. Bürgermeisterin Stefanie Malenke

Veröffentlicht am 26.01.2022 in Kommunalpolitik
Stefanie Malenke

In der Gemeinderatssitzung am 25.01.2022 hat der Fraktionsvorsitzende der SPD, Carsten Seiffert, nachfolgenden Brief der 2. Bürgermeisterin von Eching verlesen:

Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, sehr geehrter Herr Bürgermeister Thaler, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats und der Verwaltung, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Presse,

seit Mitte Dezember bin ich nun im Krankenstand. Und dies wird sich auch so schnell nicht ändern. Ich sehe mich mit einer Krebserkrankung und mit den dadurch notwendigen, sehr intensiven Therapien konfrontiert, die mich mindestens das nächste halbe Jahr beschäftigen werden.

Das heißt, dass ich mein Amt als stellvertretende Bürgermeisterin derzeit nicht sinnvoll und nicht in ausreichendem Maße wahrnehmen kann. Generell, aber noch viel mehr in der momentanen Situation, braucht es für unseren Ort, für die Verwaltung, für den Gemeinderat und für den ersten Bürgermeister aber eine Person, die sich mit aller Kraft und mit sehr viel Engagement dieser Aufgabe widmet.

Aus diesem Grund möchte ich von meinem Amt als Stellvertreterin zurücktreten, damit ein potenzieller Nachfolger bzw. eine potenzielle Nachfolgerin genau das tun kann, wozu ich nicht mehr in der Lage bin.

Die Situation sehe ich ziemlich ambivalent. Im Mai 2020 habe ich mit sehr viel Hoffnung und mit großen Plänen das Amt übernommen. Corona hat zwar die Möglichkeiten, für den Ort aktiv zu werden, erst einmal beträchtlich dezimiert, trotzdem gab es zahlreiche Gelegenheiten, die Vertretungsrolle mehr und mehr anzugehen. Die Aufgabe hat mir unfassbar viel Freude gemacht. Ganz besonders gerne war ich im Rathaus. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen dort und in den Außenstellen bzw. im Bauhof wird mir besonders positiv in Erinnerung bleiben und das werde ich auch sehr vermissen.

Aber es gibt auch die andere Seite, die es für mich leicht macht, das Amt zu Gunsten einer wieder positiven Perspektive für Eching aufzugeben. Seit im Juli letzten Jahres die Staatsanwaltschaft das Rathaus durchsucht hat, steht gefühlt kein Stein mehr auf dem anderen. Wir befinden uns seit einem halben Jahr in einer lähmenden Endlosschleife. Möglicherweise kann ein Wechsel in der Vertreterriege genau der Impuls sein, der notwendig ist, um endlich wieder Bewegung in die unerträgliche Starre zu bekommen.

Meiner Auffassung nach war die Tatsache, Unterstützerin von Sebastian Thaler zu sein, kein Problem, um sachlich und ohne Vorbehalte die Vorfälle zu betrachten. Aber allein die Vermutung von so manchen, das könnte anders sein, wirkt sich negativ darauf aus, ob mir bei der Aufklärung vertraut wird. Und Vertrauen muss die Basis für diese Aufgabe sein.

Aber den andern verstehen zu wollen, unermüdlich zur Kommunikation aufzufordern, nicht automatisch zu verurteilen, sich nicht reflexartig zu distanzieren, um selbst gut dazustehen, diese Loyalität würde ich jedem gewähren, egal, welche Meinung er oder sie vertritt und egal, welcher Gruppierung er oder sie angehört.

Für mich ist das der Weg zu einem konstruktiven Miteinander, zu einer Lösung, die nicht gleichzeitig bedeutet, dass unzählige Kollateralschäden ein gemeinsames Jetzt und ein gemeinsames Danach fast unmöglich machen.

Das Dilemma, in dem wir uns befinden, wäre in meinen Augen vermeidbar gewesen. Es zeigt auf vielen verschiedenen Ebenen, so finde ich, wie fatal sich Halbwahrheiten, Nicht-Kommunikation, fehlende Reflektion und der überzogene Fokus auf eigene Bedürfnisse auswirken.

Wenn unsere Gemeinschaft funktionieren soll, müssen wir alle vielleicht einmal einen Schritt zurücktreten, um die Perspektive ein wenig zu verändern. Ein Wechsel der Blickrichtung kann bewirken, dass wir uns selbst kritisch hinterfragen: Welche unserer Handlungen dient wirklich der Lösung unserer Situation und was ist lediglich dazu geeignet, um eigene Interessen in den Vordergrund zu stellen? Diese unendlichen Verstrickungen können meiner Auffassung nach nur entwirrt werden, wenn wir uns ausschließlich dem großen Ganzen verpflichten. Und das große Ganze muss Eching heißen.

Knapp zwei Jahre durfte ich die zweite Bürgermeisterin sein. Dafür möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken, denn dies war mir – trotz der enormen Herausforderungen – eine sehr große Ehre.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Bleiben Sie gesund – denn das kann ich nun mit noch mehr Nachdruck sagen: Das ist – neben wertvollen Menschen an unserer Seite - das Allerwichtigste.

Seien Sie alle herzlich gegrüßt,

Ihre Stefanie Malenke

Januar 2022

 
 

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Gleichzeitig prüft die SPD-Eching, ob das in Deutschland entwickelte Netzwerk Mastodon eine mögliche Alternative sein kann. Es ist dezentral organisiert, hat aber bislang weniger Reichweite und weniger Features als Twitter.

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