Eurokrise: "Niemanden fallen lassen"

Veröffentlicht am 01.06.2012 in Europa

Viele interessierte Zuhörer und Diskutanten

Einen eindrucksvollen Vortrag hielt der Europaabgeordnete Wolfgang Kreissl-Dörfler im Veranstaltungssaal der Freisinger Sparkasse am 31. Mai 2012.
Bei aller Kritik an unhaltbaren Zuständen in manchen Ländern mahnte Kreissl-Dörfler, "niemanden fallen zu lassen" - der befürchtete Domino-Effekt könne Europa sonst in eine Abwärtsspirale ziehen ...

... Wolfgang Kreissl-Dörfler analysierte die aktuelle Euro- und Staatsschuldenkrise. Er prangerte die nach wie vor herrschende Maßlosigkeit in Teilen der Finanzwelt an, wie sie sich in Hochrisikogeschäften der US-Bank JP Morgan mit einem Verlust von mindestens zwei Milliarden Dollar zeige oder auch im Hype um die Facebook-Aktie, in die spekulativ Dutzende Milliarden US-Dollar investiert würden, ohne dass bei Facebook etwas Konkretes produziert würde. Eine Billion Euro werde jedes Jahr im Euroraum von Privatanlegern und Geldinstituten an den Steuerbehörden vorbeigeschleust. Kreissl-Dörfler verlangte daher weitere Regulierung. Steueroasen in Europa müssten ausgetrocknet werden, die Bankenaufsicht müsse weiter verschärft werden. Er bezeichnete sich als "Verfechter des Systems der Sparkassen und Genossenschaftsbanken", die mit ihrem örtlichen Kundenbezug und ihrer Mittelstandsorientierung insgesamt deutlich weniger riskant agierten.
Nachdrücklich warnte Kreissl-Dörfler davor, in der Eurokrise einfache Lösungen zu fordern und einzelne Staaten an den Pranger zu stellen. Auch Deutschland habe mit seinen Problemen im Bankensektor "nicht den Stein der Weisen zu bieten". In der aktuellen Krise drohten nicht nur in Griechenland ungeahnte soziale Verwerfungen und gesellschaftlicher Zerfall. Kreissl-Dörfler bekannte, er fürchte einen "Domino-Effekt", und forderte, wie der Wirtschaftsweise Professor Peter Bofinger, "niemanden fallen zu lassen". Deutschland habe ein vitales Interesse daran, dass der Euroraum funktioniere, denn Deutschlands wirtschaftliches und soziales Wohlergehen, seine Infrastruktur in Sozialstaat, Bildung, Forschung, Innovation und Verkehr hingen entscheidend vom Exporterfolg ab. Es müsse daher alles getan werden, um in Südeuropa einen Sturm auf die Banken zu verhindern.
Zur Verhinderung einer Abwärtsspirale forderte Kreissl-Dörfler "eine Art Marshall-Plan". Das "reine Spardiktat" von Merkozy müsse gelockert werden, um ein langfristig angelegtes Wachstumspaket zu ermöglichen, wie es sich in Deutschland unter Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück 2008 und 2009 bewährt habe, als Kurzarbeitergeld die Arbeitnehmer schützte und ein staatliches Investitionsprogramm in der Krise half, Beschäftigung zu schaffen.
Nur wenn es gelinge, "Licht am Ende des Tunnels zu schaffen", so Kreissl-Dörfler, werde Vertrauen bei den Bürgern entstehen können. Mit Sonderfonds und Sperrkonten könne dazu beigetragen werden, dass Investitionsgelder nicht missbraucht werden können.




 
 

Homepage SPD Kreisverband Freising

Folge uns auf

           

Counter

Besucher:2586869
Heute:646
Online:3

Nachrichten über Eching hinaus

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

25.03.2026 17:51 Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm
67 Maßnahmen, sieben Ministerien, ein Klimaschutzprogramm Die aktuelle Weltlage mit Konflikten, die sich massiv auf unsere Energieversorgung auswirken, zeigt eindeutig: Wir müssen schnell unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Das heute von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgelegte Klimaschutzprogramm zeigt einen fairen Weg zur Erreichung der Klimaziele 2030 sowie für mehr Versorgungssicherheit auf. „Dieses Klimaschutzprogramm ist für die… Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm weiterlesen

25.03.2026 17:50 Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts
Ich begrüße die Impulse von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ausdrücklich. Deutschland steht an einem Wendepunkt. Wir brauchen ein neues Wirtschaftsmodell: eines, das konsequent auf Innovation setzt, technologische Führerschaft ermöglicht und zugleich dafür sorgt, dass Wohlstand in der Breite der Gesellschaft ankommt. „Innovation und Gerechtigkeit sind die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und breiten Wohlstand in Deutschland. Deshalb… Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts weiterlesen

11.02.2026 21:41 Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz
Barrierefreiheit nützt uns allen Die Bundesregierung treibt die Barrierefreiheit voran: Das Kabinett hat am Mittwoch eine Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes auf den Weg gebracht. SPD-Fraktionsvizin Dagmar Schmidt spricht von einem wichtigen Schritt. „Der Gesetzentwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes bedeutet einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft. Er stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderungen und… Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz weiterlesen

11.02.2026 21:39 Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus
Rekord im Tourismus – Strategie, gute Arbeit und verlässliche Politik zahlen sich aus Stefan Zierke, tourismuspolitischer Sprecher: Der Deutschlandtourismus erreicht mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Rekord. Klare Strategie, engagierte Beschäftigte und verlässliche Politik sorgen für Wachstum, stärken die Betriebe und sichern gute Arbeit – für einen wirtschaftlich starken, sozial gerechten und nachhaltigen Tourismus in allen… Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de