Unsere Wasserwirtschaft

Veröffentlicht am 17.03.2013 in Wirtschaft

Eine kurze ökonomische Analyse des Wassers
von Jürgen Schechler, SPD Eching
Der BWL- und VWL-Student lernt dies zu Beginn seines Studiums: Wirtschaftsgut ist nicht gleich Wirtschaftsgut. Manche Güter haben besondere Eigenschaften. Diese gehen zum Teil auf die Herstellungsseite zurück (z.B. wenn sie nicht ohne Weiteres reproduzierbar sind) und zum Teil auf die Nachfrage (z.B. wenn ein Gut nicht ohne Weiteres durch ein anderes ersetzt werden kann). Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht handelt es sich bei Wasser um einen Sonderfall in beiderlei Hinsicht. Vor dem Hintergrund der Forderungen der EU-Kommission nach einer Liberalisierung des Wassermarktes einerseits und der diesbezüglichen Bedenken großer Teile der Bevölkerung möchte ich hier eine (hoffentlich) allgemein verständliche kurze ökonomische Analyse des Wassers darlegen.

(Trink-)Wasser ist knapp.
Obwohl Wasser als Element auf der Erde in scheinbar unerschöpflichem Maße vorkommt, ist seine Form als Trinkwasser begrenzt. Die Aufbereitung und der Transport von Wasser kostet Geld, was grundsätzlich aus ökonomischer Sicht die Grundlage dafür ist, dass Wasser einen (Markt-)Preis hat. Der Indikator für ein knappes Gut ist ein Marktpreis größer Null bzw. die Situation, dass bei einem gedachten Preis von Null die Nachfrage größer ist als das Angebot.
Hier gibt es sicherlich lokale Ausnahmen, nämlich dort, wo Wasser in natürlichem Angebot in größeren Mengen vorkommt als nachgefragt wird. Auf der anderen Seite ist Wasser aber auch ortsabhängig kurzfristig nicht reproduzierbar. Es gibt Gegenden auf der Erde, in denen Wasser der Grund für kriegerische Auseinandersetzungen ist. Üblicherweise werden hier die Golanhöhen im Nahen Osten als Beispiel angeführt.
Ein knappes Gut ist grundsätzlich die Voraussetzung, dass ein Markt entstehen kann, auf dem es Anbieter von Wasser an bestimmten Orten geben kann. Da man Nachfrager vom freien Zugang ausschließen kann, handelt es sich – grob gesagt – nicht um ein öffentliches Gut, das über beispielsweise eine Steuerfinanzierung von der öffentlichen Hand bereitgestellt werden müsste.

Wasser als Netzwerkgut
Allerdings ist eine Versorgung von Wasser über ein Leitungsnetzwerk effizient. Und immer wenn es um Netzwerke geht – siehe auch Post, Bahn, Straße, Telekommunikation – dann wäre es wirtschaftlich effizient, zwischen Produzenten und Netzanbieter zu unterscheiden, denn schließlich braucht man nur ein Netz für Züge etc. Um den Wettbewerb und damit die kundenorientierte Preisbildung zu gewährleisten, muss es mehrere Anbieter der Netznutzung geben. Die Nutzung und den Preis des Netzes zu regulieren, ist jedoch äußerst kompliziert und aufwändig.
Um einen Wechsel von der aktuellen Wasserversorgungssituation zu einer liberalen aus ökonomischer Sicht beurteilen zu können, wären demnach auch die Kosten einer Regulierungsbehörde zu berücksichtigen.

Wasser kann nicht substituiert werden.
Aus Nachfragesicht handelt es sich bei Wasser um ein nicht substituierbares und lebensnotwendiges Gut. In allen Ersatzprodukten ist ebenfalls Wasser enthalten.
Damit weist Wasser – wie auch andere lebensnotwendigen Güter (bspw. lebenserhaltende Medikamente) – die geringste Preiselastizität der Nachfrage auf.
Das bedeutet, dass jeder Nachfrager unabhängig vom Wasserpreis oder seinem Einkommen eine bestimmte Menge nachfragen muss, um zu überleben. Und dies hat zur Folge, dass seine Präferenzen nach diesem Gut am höchsten sind. Der Nachfrager müsste einen höheren Preis auf jeden Fall mit dem Verzicht auf andere Güter bezahlen.

Wasser für die Rendite?
Der Anbieter seinerseits hat in einem solchen Fall den höchst möglichen preispolitischen Spielraum. Auch wenn es bayern-, bundes- oder europaweit einen Wettbewerb gibt, so kann es auf örtlicher Ebene stets zu Monopolsituationen kommen, die der private Wasseranbieter ausnutzen kann. Privatwirtschaftliche Unternehmen streben in einer Marktwirtschaft die Mehrung ihres Gewinns an. Dies könnte im Wasser-„Fall“ durch eine ausbeutende Preispolitik oder durch eine Kostenorientierung erfolgen, die zu Lasten der Produktqualität geht.

Fazit
Zwar handelt es sich bei Wasser um ein sog. privates Gut, bei dem der Marktmechanismus grundsätzlich funktionieren würde, allerdings besteht die Gefahr, dass hohe Regulierungskosten und Kundenausbeutung erfolgen würden. Und so gilt auch im wasserpolitischen Bereich die Maxime, dass politischer Handlungsbedarf lediglich dann besteht, wenn die Situation im Vergleich zum Status quo verbessert werden könnte. Dies ist jedoch hier nicht zu erkennen.

 
 

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