Erbbaurecht lockt über 70 Teilnehmer*innen

Veröffentlicht am 17.02.2021 in Kommunalpolitik

Begeisterung über die erste Videokonferenz

von Herbert Hahner

Im Vorfeld aufgekommene Sorgen hinsichtlich des technischen Ablaufs und der Diskussionsdisziplin waren schnell verflogen – die Technik funktionierte wie am Schnürchen (Dank an Peter Neumann), der Moderator (Carsten Seiffert) führte gekonnt durchs Programm und die Teilnehmer*innen glänzten mit sachlichen Beiträgen und absoluter Disziplin. Eine rundum gelungene Veranstaltung.

Es kocht ja hoch in Eching, das Thema Erbbaurecht. Die Freien Wähler wollen sogar ein Bürgerbegehren zu seiner Eindämmung starten. Na ja, jeder tut was er kann. Wir haben es mit konkreter Information versucht und haben dabei sogar Hilfe aus dem Jenseits erhalten. Hans-Joachim Vogel hat uns per Videoeinspielung seine Ratschläge überbracht.

 

Situation in Eching

Unser Bürgermeister Sebastian Thaler startete die Fachreferate mit dem Blick auf die Echinger Baulandproblematik. Angesichts der absurden Bodenpreise mit einem Bodenrichtwert von über 1 600 € pro m² (das ist eine Verdreifachung in Dietersheim innerhalb weniger Jahre) greife selbst das Echinger Baulandmodell für Bauwerber*innen mit mittlerem Einkommen nicht mehr, so seine Darstellung.

Die Folien zu diesem Vortrag können -> hier runtergeladen werden.

Die Grundstücke sind in der Kaufvariante nicht mehr finanzierbar, in der Erbbauversion aber schon. Vorteile des Erbbaurechts:

  • Finanzierung des hohen Grundstückpreises entfällt
  • Langfristige Sozialbindung
  • Dauerhafter Entzug des Grundstücks aus der Spekulation
  • Keine Einschränkung im Baurecht
  • Grundschuldbestellung zur Finanzierung möglich
  • Kaufgrundstücke auf dem freien Markt bleiben verfügbar

Sein Fazit: Das Erbbaurecht bietet eine langfristige, generationengerechte Lösung der Wohnungsproblematik insbesondere für Bürger*innen mit mittlerem Einkommen.

„Wenn die Welt unter geht, dann gehe ich nach Wien. Dort passiert alles 50 Jahre später.“

Mit diesem Spruch (angeblich von Gustav Mahler) eröffneten Dr. Peter Görgl (Modul 5, Wien) und Dipl-Ing. Markus Vogl (Studio Urbane Strategie, Stuttgart) ihren Beitrag. Sie sehen das Wachstumsmanagement der Gemeinden im Umland großer Städte (von daher auch der Blick auf Wien) als Herausforderung für Gegenwart und Zukunft. Seit Jahrzehnten, so ihre Ansicht, tragen die Umlandgemeinden die Hauptlast der Bevölkerungsentwicklung: Bodenpreise steigen in absurde Höhen, das Wohnen frisst die Hälfte des verfügbaren Monatseinkommens einer Familie, der notwendige Ausbau der Verkehrs- und Sozialstruktur trifft dabei paradoxerweise auf eine Anspruchshaltung, die größeren Flächenbedarf erfordert, gleichzeitig aber weitere Bodenversiegelung ablehnt (belegt durch eine Umfrage in Stuttgart) …

Die Folien zu diesem Vortrag können -> hier runtergeladen werden.

Um nun im Spannungsdreieck Ökologie, Ökonomie und Soziales nachhaltige Gemeindeentwicklung zu ermöglichen, müsse der Boden in den Mittelpunkt des strategischen Denkens treten. Das Erbbaurecht bietet dabei die Chance, dass die Gemeinden wieder handlungsfähig werden und steuernd eingreifen können. Neue Wohnformen unter der Berücksichtigung biographischer Mobilität und den sich wandelnden Lebensstilen junger Menschen – gemeinschaftliches Wohnen/Arbeiten, temporäre Wohnformen, Wohnungstausch – werden das klassische Einfamilienhaus auf eigenem Grund und Boden als bevorzugte Wohnform zurücktreten lassen. Ein Erbbaurecht mit attraktiven Zinsen und einer Laufzeit von etwa 75 Jahren passe da in eine nachhaltige gemeindliche Entwicklungsstrategie.

 

Echinger Modell plus Erbbaukonditionen

  • Die Ausgangsfläche wird fair geteilt:

30 % für den öffentlichen Bedarf / Erschließung

35 % als Bauland für die Gemeinde

35 % als Bauland für den Eigentümer

  • Flächen für den öffentlichen Bedarf zu 26 € je m²
  • Baulandflächen für die Gemeinde zu 25 % des aktuellen Bodenrichtwertes
  • Aufstellung eines Bebauungsplans durch die Gemeinde
  • Vergabe der gemeindlichen Bauparzellen nach den Kriterien des Echinger Wohnbaumodells im Erbbaurecht
  • Konditionen gem. Gemeinderatsbeschluss vom 15.12.2020:

40 % Abschlag auf den Bodenrichtwert

1,5 % Erbpachtzins

75 Jahre Laufzeit

 

 
 

Aktuelles

Energiewende JA! – Aber bitte nicht bei uns? – Planungsstand der Windenergieanlage in Garching

weiterlesen

Erbbaurecht

Folge uns auf

           

Twitter Timeline

Counter

Besucher:2586867
Heute:75
Online:2

Nachrichten über Eching hinaus

07.03.2021 14:31 Frauentag: Keine Rückschritte zuzulassen!
Zum Internationalen Frauentag lenkt SPD-Fraktionsvizin Gabriela Heinrich den Blick auf die Frauen in den Ländern des Globalen Südens. Gerade diese stünden in der Pandemie besonders unter Druck. „Frauenrechte stehen in der Pandemie besonders unter Druck. Die Fortschritte, die Frauen und Mädchen in den letzten Generationen erkämpft haben, sind in Gefahr. Die Pandemie verdeutlicht die Ungleichheiten

07.03.2021 13:21 Dirk Wiese zur Einigung über Strafrechtsverschärfung bei sexuellem Missbrauch von Kindern
Die Koalition hat sich geeinigt, strafrechtlich schärfer gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder vorzugehen. Für SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese ein besonders wichtiger Schritt. „Bei der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Kinderpornografie ist die Verständigung der Koalitionsfraktionen ein besonders wichtiger Schritt. Gleichzeitig ist es die notwendige Reaktion auf die zahlreichen Missbrauchsfälle in den letzten Jahren. Die

07.03.2021 12:20 Gabriela Heinrich zum 20-jährigen Jubiläum des Deutschen Instituts für Menschenrechte
Das Deutsche Institut für Menschenrechte wird 20 Jahre alt! SPD-Fraktionsvizin Gabriela Heinrich würdigt die herausragende Arbeit und fordert eine bessere finanzielle Ausstattung des Instituts. „Seit 20 Jahren ist das Deutsche Institut für Menschenrechte eine starke Stimme für Menschenrechte in Deutschland. Heute ist das Institut nicht mehr aus unserer Menschenrechtspolitik wegzudenken. Es ist Dreh- und Angelpunkt

04.03.2021 20:07 Keine zusätzliche Besteuerung von Renten aus versteuertem Einkommen
Derzeit sind zwei Verfahren beim Bundesfinanzhof (BFH) zur Doppelbesteuerung von Altersrenten anhängig. Im Laufe der kommenden Monate ist mit den Entscheidungen zu rechnen. „Wir werden keine Doppelbesteuerung zulassen. Ob Doppelbesteuerung aber vorliegt, ist eine Frage der Mathematik und der Berücksichtigung von Berechnungsgrundlagen: Gehört zum Beispiel der Grundfreibetrag und der Werbungskostenpauschbetrag zur Berechnungsgrundlage der steuerfrei zufließenden

01.03.2021 15:21 FÜR DEUTSCHLAND. FÜR DICH.
„Wir sind überzeugt: Die Zeit, die vor uns liegt, verlangt neue Antworten. Antworten, die wir mit unserem Zukunftsprogramm geben. Wir schaffen ein neues Wir-Gefühl. Wir sorgen für Veränderungen, die notwendig sind für eine moderne, erfolgreiche Wirtschaft, die Umwelt und Klima schont. Wir machen unseren Sozialstaat fit für die Zukunft. Und wir stärken den Frieden und

Ein Service von info.websozis.de